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12.10.2010

HK-Interview (Ausgabe 5/10): „Ein Zukauf wäre wünschenswert“

Erst bündelten Bausch Decor und BauschLinnemann ihre Vertriebsaktivitäten, dann kamen die Produktbereiche Papierkante und Durchimprägnat von Impress hinzu. Was sich die beiden Anbieter davon versprechen, wie die Versorgung gewährleistet werden soll und warum die Surteco-Gruppe mit der Übernahme eines weiteren Dekordruckers liebäugelt, erfuhr HK-Redakteur Markus Schmalz in einem Gespräch mit den Geschäftsführern Dr.-Ing. Gereon Schäfer und Dieter Baumanns.

? Bausch Decor und BauschLinnemann haben 2009 ihr Know-how in den Bereichen Dekordruck, Finishfolien und Kanten gebündelt. Hat sich die Kooperation aus heutiger Sicht bewährt?

Baumanns 

Durch den Ausbau der Partnerschaft zwischen Bausch Decor und BauschLinnemann können wir unseren Kunden nun Lösungen aus einer Hand anbieten. Die ersten Früchte aus dieser Umstellung haben wir bereits geerntet. Insbesondere was die Zusammenführung der Produkte angeht ergeben sich zahlreiche Synergieeffekte.

Schäfer 

Wir haben von unseren Kunden sehr positive Reaktionen auf die Umstellung bekommen. Der Kunde ist jetzt nicht mehr auf mehrere Ansprechpartner angewiesen, sondern hat einen Kundenbetreuer, der ihm bei allen Fragen und Wünschen mit Rat und Tat zur Seite steht. Dieses Angebot wird von den Kunden sehr geschätzt.

? Vor einigen Monaten kamen bei BauschLinnemann die Produktbereiche Papierkante und Durchimprägnat hinzu, die von Impress übernommen wurden. Was waren die Gründe für den Kauf?

Schäfer 

Im gemeinsamen Interesse mit Impress war es unser Hauptanliegen, den Kunden, die mit der Entscheidung des Ausstiegs von Impress aus diesem Produktbereich in eine Versorgungslücke hinein gefallen wären, zu helfen. Wir waren in der Lage das komplette Produktportfolio fortzuführen, das Impress in diesem Bereich zu bieten hatte und gleichzeitig die Versorgungssicherheit zu gewährleisten.

Baumanns 

Sowohl aufgrund der Vielfalt der Produkte als auch im Hinblick auf die Fertigungsprozesse hat sich Impress entschieden, mit BauschLinnemann als alleinigem Partner zusammenzuarbeiten. Es wäre kaum möglich gewesen, die einzelnen Produktsparten in verschiedene Hände zu geben. Das hätte organisatorisch erhebliche Probleme mit sich gebracht.

? Sie haben aber sicherlich nicht ganz uneigennützig gehandelt.

Schäfer 

Das ist richtig. Viele Kunden von Impress waren bzw. sind auch unsere Kunden. Es lag in unserem Interesse, diese nicht im Stich zu lassen. Die Übernahme der Produktbereiche Papierkante und Durchimprägnat führte im Übrigen dazu, dass der Lieferanteil von BauschLinnemann deutlich gewachsen ist.

? Haben Sie dadurch Marktanteile hinzu gewonnen?

Baumanns 

Wir haben in einzelnen Bereichen Marktanteile hinzu gewinnen können. Das ist auch dadurch bedingt, dass es bei den betroffenen Produkten und technischen Voraussetzungen nicht viele weitere Anbieter am Markt gibt ...

? ... was einige Kunden im Sinne der Versorgungssicherheit mit einer gewissen Skepsis betrachten.

Schäfer 

Wir wissen um diesen Umstand, aber wir können unsere Kunden beruhigen: es gibt detailliert ausgearbeitete Konzepte und Notfallpläne. Unsere beiden Produktionsstandorte in Sassenberg und Buttenwiesen bieten uns die Möglichkeit, die Fertigung vom einen auf den anderen Standort zu verlagern. Sollte es in einem Werk technische Probleme geben, kann das andere die Produktion übernehmen. So können wir die Versorgung der Kunden jederzeit garantieren.

? Wie sehen Sie die beiden Unternehmen Bausch Decor und BauschLinnemann innerhalb der Surteco-Gruppe aufgestellt?

Schäfer 

Die Papiersparte der Surteco-Gruppe tritt als Vollsortimenter am Markt auf. Bausch Decor sieht sich dabei als Vorreiter in Sachen Dekorkompetenz. Denn letztlich legt nicht die Kante das Dekor eines Möbels fest, sondern die Fläche. Mit unserer gemeinsamen Dekorarbeit haben wir hier einen wesentlichen Schritt nach vorne gemacht.

Baumanns 

Alle Unternehmen innerhalb der Surteco-Gruppe arbeiten intensiv zusammen. An unseren ausländischen Standorten sind die Mitarbeiter in einem gemeinsamen Vertrieb organisiert, der alle Produkte aus einer Hand anbietet. Das ist nicht nur vertrieblich, sondern auch in der Dekor- und Designarbeit von Vorteil und bietet den Kunden einen echten Mehrwert.

? Der Vorstandsvorsitzende der Surteco SE, Herr Päfgen, bekundete in der Vergangenheit immer mal wieder sein Interesse an der Akquisition eines weiteren Dekordruckers. Ist dieser Wunsch noch aktuell? Was sagen Sie zu diesem Thema?

Schäfer 

Bausch Decor hat als junges Unternehmen in den letzten zehn Jahren eine sehr positive Entwicklung genommen. Gleichwohl konnten wir, was die Anzahl der Anlagen und die Menge des Durchsatzes betrifft, noch nicht zu den etablierten Druckern aufschließen. Insofern kann ich Herrn Päfgen nur zustimmen: Auch für uns wäre es wünschenswert, die Drucksparte innerhalb der Surteco-Gruppe weiter zu stärken.

Baumanns 

Gerade im Dekordruck sind die Absatzmenge und das Volumen entscheidend für die Präsenz am Markt. Ich bin mir sicher, dass eine weitere Stärkung des Druckbereiches auch positive Auswirkungen auf die Folien- und Kantensparte der Surteco-Gruppe hat und den Umsatz dort weiter stärkt.

? Welche Drucker kämen für eine Übernahme in Frage? Gibt es dafür konkrete Zeitpläne?

Schäfer 

Solche Aktivitäten sind nicht planbar. Sie sind von den aktuellen Marktgegebenheiten und der Situation der einzelnen Unternehmen abhängig. Nachdem die Krise im vergangenen Jahr die Branche ein wenig durcheinander gewirbelt hat, zieht das Geschäft aktuell bei den meisten Firmen wieder an. Die Zukunft wird zeigen, wann sich welche Optionen ergeben.

? Wie sieht es wirtschaftlich zurzeit bei Bausch Decor und BauschLinnemann aus? Welche Erwartungen haben Sie an das kommende Jahr?

Schäfer 

Bei Bausch Decor verzeichnen wir ein starkes Interesse, was sich in stabilen Auftragszahlen niederschlägt. 

Der Auftragsbestand hat sich nach dem Einbruch gut erholt. Wir tun eine Menge dafür, auch in dieser für uns positiven Situation, die Lieferzeiten kurz zu halten.

Baumanns 

Bekanntlich ist das Unternehmen BauschLinnemann erst vor wenigen Jahren aus einer Fusion entstanden. Prozesse wie diese sind immer mit gewissen Anpassungen und Einschnitten verbunden. Wir sind aus dieser Fusion gestärkt hervorgegangen und haben vor zwei Jahren sehr frühzeitig auf die sich anbahnende Krise reagiert. Das hat dazu geführt, dass wir jetzt nicht nur besser als im Jahr 2009 dastehen, sondern voraussichtlich sogar den Umsatz des Jahres 2008 übertreffen werden. Angesichts dieser positiven Vorzeichen blicken wir vorsichtig optimistisch auf das kommende Jahr.

? Wurden bei den Dekordruckern im Zuge der Krise Kapazitäten aus dem Markt genommen?

Schäfer 

Jeder Dekordrucker hatte im vergangenen Jahr Maschinenstillstände. Die Situation dürfte sich angesichts der verbesserten Wirtschaftslage inzwischen wieder entspannt haben. Dass Kapazitäten aktiv aus dem Markt genommen wurden, ist mir – mit Ausnahme der Insolvenz der belgischen Firma Mepa – nicht bekannt. Wir gehen davon aus, dass die Nachfrage in den nächsten Jahren steigen wird – daher ist auch zu erwarten, dass die Dekordrucker die vorhandenen Kapazitäten nutzen werden.

? Werden momentan wieder Mitarbeiter eingestellt?

Schäfer 

Wir sind erfreulicherweise in der Situation, dass wir einige unserer Stamm-Mitarbeiter, von denen wir uns im letzten Jahr leider trennen mussten, wieder einstellen konnten. Wir freuen uns über die gute Auslastung in der Produktion und können mit kurzen Lieferzeiten den Markt erfolgreich bedienen.

? Welche Struktur- und Farbtrends kündigen sich bei Dekoren für das Jahr 2011 an?

Baumanns 

Die Trends, die wir im Frühjahr in Mailand gesehen haben, werden uns auch in den nächsten zwei Jahren begleiten. Eines der derzeit angesagtesten Themen ist die „Used“-Optik, auf die wir von unseren Kunden immer wieder angesprochen werden. Ein weiteres wichtiges Thema ist die Haptik. Hier hat die melaminbeschichtete Platte einen klaren Vorteil, weil sie in der Lage ist, haptische Effekte besser darzustellen. Im Bereich Folien arbeiten wir im Moment mit Hochdruck an weiteren Qualitätsverbesserungen, deren Ergebnisse wir noch vor der Interzum präsentieren werden.

? Wie sollen diese Verbesserungen genau aussehen?

Schäfer 

Gemeinsam mit unseren Partnern sind wir ständig darum bemüht, die Qualität unserer Produkte zu steigern. Seit geraumer Zeit können wir beispielsweise hochabriebfeste Folien auch für Fußböden anbieten. Wie Herr Baumanns bereits gesagt hat, arbeiten wir im Folienbereich an weiteren Verbesserungen, zu denen wir aber im Moment noch nichts sagen können.

? Wird die Folie in Zukunft weitere Marktanteile erobern?

Baumanns 

Dank der ständigen Qualitätsverbesserungen beobachten wir bei einigen Kunden Umstellungen von KT-Papier- auf Folienprodukte. Von dieser Entwicklung profitieren derzeit alle Anbieter. Der Trend zur Folie in der Möbelherstellung wird sich unserer Einschätzung nach fortsetzen. Von daher kann ich Ihre Frage mit „Ja“ beantworten.

? Bausch Decor hat zwar keine eigene Lasergravur, arbeitet aber schon seit einigen Jahren mit externen Graveuren zusammen, die lasergravierte Tiefdruckzylinder anfertigen. Was sagen Sie zu den aktuellen Investitionen einiger Ihrer Mitbewerber in die Lasergravur?

Schäfer 

Wir müssen hier zwei Dinge unterscheiden: Auf der einen Seite gibt es den Graveur, der mit der Lasergravur ein modernes Verfahren mit vielfältigen Möglichkeiten an die Hand bekommt. Auf der anderen Seite stellt sich für uns als Drucker die Frage, welche Vorteile die Lasergravur für das Druckergebnis bringt. Meiner Meinung nach werden diese Vorteile teilweise überhöht dargestellt. Um zu einem guten Druckergebnis zu kommen, sind in erster Linie die technischen Voraussetzungen bei den Anlagen und das Know-how der Mitarbeiter entscheidend und nicht die Lasergravur.

? Bei welchen Dekoren setzen Sie die Lasergravur ein?

Schäfer 

Wir nutzen die Lasergravur dort, wo es Sinn macht. Dies ist zum Beispiel bei manchen Fantasie- und Uni-Dekoren der Fall. Bei diesen Dekoren ermöglicht die Lasergravur einen sehr gleichmäßigen Farbauftrag. Bei anderen Dekoren bietet sie hingegen kaum Vorteile. Letztendlich überlassen wir die Entscheidung dem Graveur selbst.

? Eine weitere Technik, in die viele Unternehmen aus der Dekordruck- und Holzwerkstoffbranche derzeit investieren, ist der Digitaldruck. Wie sieht man bei Bausch den aktuellen „Hype“?

Schäfer 

Langfristig sehe ich den Digitaldruck ganz klar auf dem Vormarsch. Im Moment ist der Einsatz digitaler Druckverfahren aus Kostengründen nur bei kleinen Losgrößen rentabel. Aber das könnte sich langfristig ändern. Bausch Decor und BauschLinnemann befassen sich seit Jahren intensiv mit diesem Thema und werden bei einer Weiterentwicklung der Technologie die passenden Antworten parat haben.

Baumanns 

Wir müssen hierbei zwischen der Laborentwicklung und der Musterproduktion unterscheiden. In der Laborentwicklung wird sich der Digitaldruck sicherlich schnell in der gesamten Branche durchsetzen, weil er Flexibilität und Geschwindigkeit ermöglicht. Die Produktion ist hingegen abhängig vom Endverbraucherverhalten. Wenn sich die Menschen in den nächsten Jahren bei der Wohnungseinrichtung für mehr Individualität entscheiden, kann man davon ausgehen, dass es auch einen Markt für digitale Druckverfahren gibt.

? Kann die digitale Technologie den Dekor-Tiefdruck langfristig ersetzen?

Schäfer 

Wir sehen den Digitaldruck wie gesagt als Zukunftstechnologie. Für die Beantwortung der Frage, ob und wann ein Durchbruch auf breiter Basis gelingen kann, ist es noch zu früh. Das kann in zehn Jahren sein, das kann in 15 Jahren sein. Ich glaube, dass dafür erst noch ein Technologiesprung notwendig ist. Langfristig kommt die Branche an den Möglichkeiten, die digitale Druckverfahren bieten, aber nicht vorbei.

? Wie viele neue Dekore entwickeln Sie pro Jahr?

Baumanns 

Wir entwickeln rund 80 bis 100 neue Dekore im Jahr. Zusätzlich steckt ein erhebliches Potenzial in der Überarbeitung bestehender Dekore. Interessanterweise war auf der letzten ZOW ein Dekor der Renner, das bereits vor fünf Jahren entwickelt wurde. Das zeigt, dass Dekore manchmal eine längere Zeit benötigen, um am Markt erfolgreich zu sein. Es zeigt aber auch, dass es sich lohnt, die bestehenden Zylindersätze immer aktuell zu halten. Die Qualität in der Dekorentwicklung ist inzwischen so gut, dass wir hin und wieder unseren eigenen Zylinderpark durchforsten und aktualisieren.

? Mit welchen Erwartungen fahren Sie zur SICAM nach Pordenone und welche Produkt-Neuheiten werden Bausch Decor und BauschLinnemann dort präsentieren?

Baumanns 

Es gibt einige neue Dekore, mit denen wir im Oktober herauskommen und die wir erstmals auf der SICAM vorstellen werden. Vor allem im Bereich Haptik dürfen sich die Messebesucher auf interessante Präsentationen freuen.

Herr Schäfer, Herr Baumanns, wir bedanken uns für das Interview.

 


Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an:

Petra Müller
BauschLinnemann GmbH
Robert-Linnemann-Straße 21-27
48336 Sassenberg
Deutschland

Tel.:+ 49 2583 29-245
Fax: + 49 2583 29-530

E-Mail: petra.mueller@bauschlinnemann.de


Vorsitzender der Geschäftsführung der Bausch Decor GmbH und BauschLinnemann GmbH: Dr.-Ing. Gereon Schäfer

Geschäftsführer der Bausch Decor GmbH und BauschLinnemann GmbH Dipl.-Kfm. Dieter Baumanns

Die Geschäftsführer Dr.-Ing. Gereon Schäfer (Mitte) und Dieter Baumanns (rechts) werfen einen Blick in die Ausmusterung (Fotos: Schmalz HK)


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